AOK-Studie: Drastische Beitragssteigerungen in der PKV

Künftig wird die PKV 2.700 Euro mehr im Jahr von jedem einzelnen Privatpatienten verlangen müssen, um steigende Kosten zu decken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des AOK-Bundesverbandes.

Stark steigende Beiträge in der PKV

Wie das Magazin stern berichtet, hat der AOK-Bundesverband eine Studie vorgelegt, die den Finanzbedarf der privaten Krankenversicherer für die kommenden vier Jahrzehnte näher betrachtet. Das Ergebnis: Die mittlerweile fast neun Millionen privat Versicherten müssen in der Zukunft angeblich mit drastischen Beitragserhöhungen rechnen. Nach Ansicht der Kassenvertreter werden die PKV-Anbieter künftig von jedem privat versicherten Kunden 2.700 Euro jährlich zusätzlich verlangen müssen, um finanziell über die Runden zu kommen.

Finanznot in der PKV?

In der Studie ist von einer baldigen Finanznot der privaten Versicherungsgesellschaften die Rede. Für die prognostizierten finanziellen Schwierigkeiten der PKV in der Zukunft hat der AOK-Bundesverband drei Erklärungen. Zum einen sind die Vertreter der GKV der Meinung, dass die privaten Versicherer die stetig steigenden Kosten der Gesundheitsversorgung nicht dauerhaft in den Griff bekommen können. Da die Aufwendungen für medizinische Leistungen und Medikamente immer größer ausfallen, vermutet der AOK-Bundesverband eine baldige Überlastung der PKV-Anbieter.

PKV nicht auf Zukunft vorbereitet

Weiterhin argumentieren die Kassenvertreter, die PKV berücksichtige den demografischen Wandel nicht angemessen und vergesse, dass viele Menschen unter der Eurokrise leiden würden. Da die Zinsen zunehmend niedriger ausfallen, würden aus Sicht der Autoren auch die Kapitalrücklagen der PKV nur einen zu geringen Ertrag abwerfen. In der Folge führe dies zu finanziellen Schwierigkeiten in der PKV, die nur durch stark steigende Beiträge für die Versicherten ausgeglichen werden könnten.

Streit zwischen PKV und AOK

Die Studie des AOK-Bundesverbandes dürfte eine erneute Diskussion zwischen den GKV-Vertretern und der PKV entfachen. Der Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, hatte bereits vor kurzem mit provokanten Äußerungen über ein angebliches Ende der PKV für Aufsehen gesorgt. Der Verband der Privaten Krankenversicherung hatte mit Empörung auf die These Graalmanns reagiert, der der PKV eine „bedrohliche“ Lage unterstellt hatte.

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