AOK: Mehr Krankschreibungen wegen psychischer Probleme

Die Psyche wird immer mehr zu einem Problem. Eine Feststellung, die nicht neu zu sein scheint. Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat am Dienstag Zahlen veröffentlicht, denen zufolge die Krankschreibungen wegen psychischer Probleme zunehmen. Wie das Institut mitteilte, hat das Jahr 2010 sogar den bisherigen Höchststand von 8,6 Prozent aus dem Jahr 2009 übertroffen. Eine Ursache ist das fehlende Lob vom Chef.

Psyche bald Volkskrankheit?

Experten sehen die Entwicklung psychischer Probleme mit Sorge.

Denn der Anstieg im Bereich der Krankschreibungen zieht sich wie ein roter Faden durch alle Veröffentlichungen der Krankenkassen – so auch einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Demnach lag die Zahl der Fehltage, welche auf Probleme mit der Psyche zurückzuführen sind, bei 9,3 Prozent. Zum Vergleich: Im Vorjahr 2009 lag die Zahl noch bei 8,6 Prozent. Eine Entwicklung, die Anlass zur Sorge gibt, denn dehnt man den Beobachtungszeitraum bis zum Jahr 1994 aus, haben sich die Zahlen verdoppelt.

Dabei lesen sich auch die Ursachen in vielen Berichten und Analysen ähnlich. Fast immer ist es die psychische Belastung am Arbeitsplatz, die zu den Problemen führt. Betroffene sind einem zunehmenden Stresslevel durch immer neue Leistungsvorgaben und Verantwortlichkeiten ausgesetzt. Gleichzeitig hat das Wissenschaftliche Institut der AOK eine weitere Ursache identifiziert – einen Mangel an Anerkennung. Etwa die Hälfte der Betroffenen beklagt sich über ein fehlendes Lob vom Chef.

Arbeitgeber zunehmend in der Pflicht

Aus dieser Tatsache heraus lassen sich eigentlich klare Schlüsse ziehen. Um den Zuwachs im Bereich der psychischen Erkrankungen zu bremsen, sind nicht nur die Krankenversicherungen und Leistungserbringer – sprich Ärzte – gefragt. Es geht vielmehr darum, die Ursache zu offensiv anzugehen. Und genau hier sind die Arbeitgeber gefordert – entweder über ein deutlich besseres Gesundheitsmanagement oder mehr Anerkennung.

Denn aus Sicht vieler Experten lässt sich bereits hier viel erreichen. Mitarbeiter, die ihre Arbeit geschätzt wissen, erledigen Aufgaben nicht nur wesentlich motivierter, sondern stehen auch deutlich stärker hinter dem Unternehmen. Untern Strich ergibt sich daraus auch ein volks- und betriebswirtschaftlicher Effekt. Denn Erkrankungen der Psyche verursachen gerade durch ihren langwierigen Charakter hohe Kosten, da sie mit durchschnittlich 23 Ausfalltagen am längsten dauern.

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