AOK-Chef: Keine Prämienausschüttung für GKV-Mitglieder 2012

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes Jürgen Graalmann lehnt eine Ausschüttung der Milliardenüberschüsse an die Versicherten der gesetzlichen Krankenkasse ebenso ab wie eine Beitragssatzsenkung oder die Abschaffung der Praxisgebühr.

In einem Interview gegenüber Welt Online erklärte der AOK-Chef am Sonntag, dass er es für verfehlt halte, angesichts des aktuellen Milliardenplus der GKV den Beitragssatz für die Versicherten von 15,5 auf 15,4 Prozent zu senken. Schon 2013 werden die Ausgaben der Krankenkassen wieder stark ansteigen, denn dann laufen die Sparpakete aus der Gesundheitsreform aus. „Wer klug ist, hält das Geld zusammen“, so Graalmann, denn schon bald würden die Reserven des Gesundheitsfonds wieder gebraucht. Für die Versicherten der AOK sei die Gewissheit, dass bis 2013 keine Zusatzbeiträge erhoben werden, wichtiger als der Erhalt einer Prämie. Die Versicherten würden aus Sicht von Graalmann vor allem Wert auf Verlässlichkeit legen und nicht heute Prämien erhalten und wenig später wieder Zusatzbeiträge zahlen müssen.

Keine Abschaffung der Praxisgebühr

Auch die von der FDP geforderte Abschaffung der Praxisgebühr lehnte der AOK-Chef ab. Er nannte die Forderung im Interview eine Augenwischerei, weil der Abschaffung der Gebühr eine erhöhte finanzielle Beteiligung der Patienten an den Behandlungen folgen würde. Dies würde die GKV-Mitglieder letztlich mehr belasten als die jetzige Zahlung der Gebühr.

Hoher Gewinn durch gute Konjunktur

Wie in der vergangenen Woche öffentlich geworden ist, verfügt die GKV derzeit über ein Plus von 19,5 Milliarden Euro. Allein die AOK hatte für das Jahr 2011 einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro zu verzeichnen. Auch Graalmann macht die gute Konjunktur und das Arzneimittelsparpaket der Regierung für den Überschussrekord verantwortlich. Mehrere Kassen gaben an, dass sie Gewinne erwirtschaftet haben, weil sie zunächst mit einer schlechteren Konjunkturentwicklung gerechnet hatten. Der Aufforderung des Bundesgesundheitsministers Daniel Bahr, die GKV-Mitglieder durch Prämienauszahlungen an den Überschüssen zu beteiligen, kamen nur einige wenige Krankenkassen nach.

Private Krankenversicherung: Beiträge nicht betroffen

Versicherte in der privaten Krankenversicherung sind von der Diskussion um eine mögliche Beitragsauszahlung nicht betroffen. Die Beiträge fliessen den jeweiligen Gesellschaften zu und diese bestimmen mögliche Beitragsentlastungen selbst. GKV Mitglieder, die die Voraussetzungen für einen PKV Wechsel erfüllen, können mit einem private Krankenversicherung Rechner ihr Sparpotential beim Krankenversicherungbeitrag selbst direkt online messen.

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