AOK-Chef: „Die Lage der PKV ist ganz offensichtlich bedrohlich“

Die Kritik an der privaten Krankenversicherung ebbt nicht ab. Immer mehr Kritiker erklären das Geschäftsmodell der PKV für gescheitert und fordern eine Abschaffung. Die privaten Versicherer argumentieren ihrerseits, dass sie besser auf den demographischen Wandel vorbereitet sind als die gesetzlichen Krankenkassen.

Kritik an Trennung zwischen GKV und PKV

Zuletzt meldete sich der Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, zu Wort und forderte die Politik auf, nicht länger an dem aktuellen System der PKV festzuhalten. „Die Lage der PKV ist ganz offensichtlich bedrohlich“, sagte der AOK-Chef am heutigen Mittwoch gegenüber der „Welt“.

Da die privaten Versicherungsgesellschaften sich in einer Krise befänden, die sie selbst nicht mehr unter Kontrolle bekommen können, wäre aus Graalmanns Sicht die Vereinheitlichung des Versicherungsmarktes ein logischer Schritt. Wie viele andere PKV-Gegner plädiert er dafür, das duale Krankenversicherungssystem aus GKV und PKV in Deutschland grundlegend zu reformieren. Den Kritikern zufolge ist die Trennung von gesetzlichem und privatem Versicherungsschutz nicht mehr zeitgemäß. Viele fordern eine Bürgerversicherung, die den Versicherungsmarkt vereinheitlichen würde.

Beitragssteigerungen belasten Versicherte

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentrale will angesichts der Beitragserhöhungen bei den privaten Krankenversicherern mit Forderungen an die Öffentlichkeit treten, berichtet die „Welt“. Für zahlreiche privat Versicherte haben gestiegene Kosten in der PKV zu finanziellen Schwierigkeiten geführt, zudem verwehren die Versicherer ihren Kunden die gesetzlich vorgeschriebenen Möglichkeiten zur Beitragsentlastung, so die Kritik der Verbraucherzentralen. Der PKV werden von mehreren Seiten existentielle Probleme zugeschrieben, Vertreter der Branche weisen die Vorwürfe jedoch vehement zurück und verweisen auf die Gefahren, die eine Bürgerversicherung mit sich bringen würde.

Nachteile einer Bürgerversicherung

In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ hatte der Vorstandsvorsitzende des PKV-Verbandes, Reinhold Schulte, in der vergangenen Woche vor den Nachteilen einer Bürgerversicherung gewarnt. Eine Einheitsversorgung für alle Bürger würde aus seiner Sicht nicht nur eine schlechtere medizinische Versorgung, sondern zudem massive Steuer- und Beitragserhöhungen für alle Versicherten mit sich bringen. Vertreter der PKV halten daran fest, dass das Modell der PKV als Musterbeispiel für mehr Generationensolidarität in Europa gilt. Mit einem Kapitalstock von derzeit rund 170 Milliarden Euro will die PKV besser auf die Folgen einer alternden Gesellschaft eingestellt sein als die GKV.

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