Ärztepfusch: Immer mehr Beschwerden gegen Ärztefehler

Immer mehr Menschen trauen sich bei Ärztepfusch Beschwerde einzulegen. 2011 gab es über 11.000 Beschwerden gegen Ärztefehler, über 2200 Behandlungen oder Diagnosen wurden für falsch erklärt. Doch die Dunkelziffer ist weitaus höher.

Fast 100 Tote durch Fehler der Ärzte

Die neusten Zahlen der Bundesärztekammer belegen auch: Im Jahr 2011 nahm die Zahl der Medizinerfehler zu. 99 Menschen starben durch untersuchte Ärztefehler, das sind 12 Menschen mehr als im Vorjahr. Insgesamt haben sich 11.107 Patientenbei Schlichtungskommissionen der Ärztekammern oder Gutachterstellen beschwert. Davon wurden 2287 Beschwerden stattgegeben und ein Behandlungs-, Diagnose- oder Beratungsfehler festgestellt.

Dunkelziffer bis zu 16 Mal höher

Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums zufolge liegt die tatsächliche Zahl der Behandlungsfehler zwischen 40.000 und 170.000 Fällen jährlich. Diese hohe Zahl ergibt sich zum einen daraus, dass nur rund ein Viertel aller etwaigen Arzthaftungsfälle durch die Ärztekammern bewertet wird. Der Rest wird von Gerichten, Haftpflichtversicherern und dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen bearbeitet. Zum anderen nimmt der überwiegende Teil der Patienten die Fehler hin, da sie beweisen müssen, dass der Arzt einen Fehler begangen hat. Daher fordern gesetzliche Krankenkassen eine Vereinfachung der Beweislastumkehr.

Hilfe finden bei Schlichtungsstellen

Betroffene sollten zunächst das direkte Gespräch mit dem Arzt suchen. Kommt dabei kein zufriedenstellendes Ergebnis zustande, wird die Kontaktaufnahme zur Schlichtungsstelle der zuständigen Landesärztekammer empfohlen. Diese kann in begründeten Fällen die Patientenakte vom Arzt oder von der Klinik einfordern. Im besten Fall kann es dann zu einer außergerichtlichen Einigung kommen. Allerdings verweigern 10 Prozent der Ärzte eine Kooperation. Dann hilft nur der Gang zur Krankenkasse, wo der Fall vom medizinischen Dienst übernommen wird und vor Gericht geht. Wer sofort und ohne Umwege direkt vor Gericht ziehen will, muss beachten, dass er dann Anwalts-, Gutachter- und Gerichtskosten selbst tragen muss.

Privat Versicherte

Eine Unterstützung wie bei gesetzlichen Krankenkassen können privat Versicherte nur selten erwarten. Daher sollte sich jeder Betroffene bei seiner privaten Krankenversicherung über eventuelle Unterstützungsmöglichkeiten erkundigen. In Bezug auf die Schlichtungsstellen der privaten Krankenversicherungen sollte beachtet werden, dass diese von Haftpflichtversicherungen getragen werden. Diese sind auch für die Berufshaftpflicht der Ärzte zuständig. Diese Verbindung kann zu einer Trübung bei der Einigung zu Lasten des Versicherten führen.

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