Ärztepfusch: Behandlungsfehler nehmen zu
Die Fälle, in denen Patienten über Behandlungsfehler klagen, nehmen zu. Allein bei der Bundesärztekammer sind im vergangenen Jahr mehr als 11.000 Anträge auf Schadenersatz auf Grundlage von Ärztepfusch eingegangen. Dies entspricht einer Zunahme von rund zehn Prozent. Die Gesamtzahl der Beanstandungen durch Patienten liegt weit höher und wird auf rund 40.000 Fälle geschätzt. Mit einem neuen Gesetz sollen Patienten nun die Möglichkeit erhalten, gegen Ärztepfusch besser vorgehen zu können.
Hohe Dunkelziffer an Behandlungsfehlern vermutet
Experten gehen aber davon aus, dass die bekannten Fälle nur ein Bruchteil dessen sind, was tatsächlich in die Kategorie Ärztepfusch fällt.
Gerd Glaeske, Gesundheitsexperte aus Bremen, bezeichnete die Entwicklung als „dramatische Spitze eines Eisbergs“. Es sind nicht immer nur Kliniken, die für den Ärztepfusch verantwortlich sind. Auch im Bereich der ambulanten Versorgung kommt es zu Fehlern, die Experten unter anderem auch auf die hohe Arbeitsbelastung und den Druck zurückführen, der auf Ärzten lastet. In den Augen Gerd Glaeskes fehlt es gerade im ambulanten Bereich an geeigneten Strukturen, die sich mit Fehlern der Ärzte beschäftigen.
Verfahren dauern oft Jahre
Was viele Betroffene als erhebliche Belastung empfinden, sind die bürokratischen Hürden, mit denen sie zu kämpfen haben. Zwar treffen Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen Entscheidungen zu den vorgebrachten Fällen gebührenfrei. Aber allein das Prüfungsverfahren kann bis zu 15 Monate dauern. Kommt es anschließend zu einer juristischen Auseinandersetzung über den Schadenersatz, gehen Jahre bis zu einer Entscheidung ins Land.
Die Bundesregierung will den Patienten jetzt wesentlich bessere Rechte einräumen. Dazu soll ein neues Patientenrechtegesetz verabschiedet werden, welches Mitte kommenden Jahres in Kraft treten könnte und das unter anderem den Schlichtungsstellen weiter reichende Rechte einräumen soll.
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