4 Mrd. Überschuss in GKV: Abschaffung der Praxisgebühr gefordert

Bei der GKV liegen insgesamt 19,5 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Gesetzlich vorgeschrieben ist lediglich eine Rücklage von drei Milliarden Euro. Jetzt wird diskutiert, wie die erzielten Überschüsse verwendet werden sollen. Neben der Idee, den GKV-Mitgliedern Beiträge zurückzuzahlen, steht nun ein weiterer Vorschlag im Raum: der Wegfall der Praxisgebühr.

2,1 Milliarden Euro Einnahmen mit der Praxisgebühr

Seit 2004 müssen Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung einmal im Quartal zehn Euro entrichten, wenn sie einen Arzt oder den kassenärztlichen Notdienst aufsuchen. Damit soll unter anderem erreicht werden, dass die deutschen Bürger seltener einen Arzt aufsuchen. Mit der Gebühr nehmen die Krankenkassen im Jahr 2,1 Milliarden Euro ein. Angesichts der bekannt gewordenen Geldreserven der GKV fordern nun mehrere Politiker eine Abschaffung der Praxisgebühr. Die ursprünglich bezweckte Lenkungswirkung der Gebühr ist nach Meinung von Experten kaum eingetreten. Die Deutschen sind in Bezug auf Arztbesuche europaweit noch immer führend: Im Schnitt nimmt jeder Bürger jährlich 18-mal eine ärztliche Leistung in Anspruch.

Beteiligung der Bürger am Gewinn der GKV

Der neue Vorschlag, die GKV-Mitglieder endgültig von der Praxisgebühr zu befreien, stammt aus den Reihen der FDP, wie das Nachrichtenportal der Rheinischen Post berichtet. Die Union und die FDP hatten bereits im Koalitionsvertrag eine Reform der Praxisgebühr vereinbart, die Union lehnt jedoch eine ersatzlose Streichung ab. FDP-Gesundheitspolitiker Heinz Lanfermann sagte gegenüber RP Online, die gute Finanzlage der Kassen sollte nun genutzt werden, um die Gebühr abzuschaffen oder zumindest auszusetzen.

Zunächst hatten Politiker aus verschiedenen Reihen die Krankenkassen, die im vergangenen Jahr einen deutlichen Überschuss erzielt haben, zu einer Prämienausschüttung an ihre Mitglieder aufgefordert. Schließlich hätten die Kassen ihre Gewinne letztlich den Beitragszahlern zu verdanken. Nur wenige Kassen haben aber bisher angekündigt, ihren Mitgliedern tatsächlich Beiträge zurückzuzahlen. Vielmehr wollen die gesetzlichen Krankenkassen Zusatzbeiträge für die Versicherten in der Zukunft vermeiden und die Überschüsse für schlechtere Zeiten einbehalten.

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