1,2 Milliarden Schulden: GKV Versicherte zahlen keine Beiträge

Gesetzliche und private Krankenversicherungen schlagen Alarm: Sie verzeichnen immer mehr säumige Beitragszahler. Der GKV-Spitzenverband spricht von ausstehenden Zahlungen in Höhe von über 1,2 Milliarden Euro.

In den vergangenen Tagen hatten die privaten Krankenversicherungen mit dem geplanten „Nichtzahler-Tarif“ für Schlagzeilen gesorgt. Weil immer mehr Versicherte nicht mehr für die Kosten ihrer Krankenversicherung aufkommen, klagten die Privatversicherungen über ausstehende Beitragszahlungen von mehr als 500 Millionen Euro. Da die Gesellschaften zahlungsunwilligen oder zahlungsunfähigen Kunden seit der Einführung der Versicherungspflicht im Jahre 2009 nicht mehr kündigen dürfen, erwägen sie nun die Einführung eines Minimal-Taifs, mit dem Versicherte im Zahlungsrückstand lediglich noch die gesetzlich vorgeschriebene Gesundheitsversorgung im Notfall oder bei einer Schwangerschaft erhalten. Insbesondere Berufsanfänger und Selbstständige gelten als Beitragsverweigerer, auch in den gesetzlichen Kassen.

Forderungen durch Rückstände und Säumniszuschläge

Wie der GKV-Spitzenverband am Donnerstag in Berlin mitteilte, bezahlten etwa 638.000 gesetzlich Krankenversicherte im vergangenen Jahr ihre Versicherungsbeiträge nicht. Die Kassen blieben 2011 auf Forderungen von rund 1,2 Milliarden Euro sitzen. Fast 75 Prozent der offenen Beträge sind davon allerdings auf die Säumnisgebühren der gesetzlichen Krankenversicherer zurückzuführen. Die Summe der Forderungen erscheint vergleichsweise gering, betrachtet man dagegen die Einnahmen der gesetzlichen Versicherungen von zuletzt etwa 170 Milliarden Euro.

GKV: Beitragsverweigerer und versicherungspflichtige Rückkehrer

Für viele erscheint es verwunderlich, dass bei den Versicherungsbeiträgen für die Krankenkasse überhaupt Rückstände entstehen können, werden diese doch bei Angestellten und Arbeitern vom jeweiligen Arbeitgeber unmittelbar an die Sozialkassen abgeführt. Da selbstständig Tätige als freiwillig gesetzlich Versicherte jedoch eigenmächtig für ihre Beitragszahlungen verantwortlich sind, können hier Rückstände auch in der gesetzlichen Kasse möglich sein. Neben den etwa 530.000 freiwillig Versicherten, die ihrer gesetzlichen Krankenversicherung noch Beiträge schulden, gibt es weitere 108.000 offene Mitgliederkonten von Rückkehrern, die nach der Einführung der Versicherungspflicht wieder in eine gesetzliche Kasse gegangen sind.

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